Gerade erst wurde im Rahmen des Weltklimagipfels in Glasgow von einem Teil der Delegierten ein Abkommen zum Verzicht auf fossile Brennstoffe bei Autos oder Vans unterzeichnet. Außerdem riefen die Teilnehmer erstmals dazu auf, den Verzicht auf weltweite Kohleverstromung einzuleiten. Nach dem deutschen Lieferkettengesetz sind dies zwei weitere Beschlüsse, die unmittelbare Auswirkungen auf die Transport- und Logistikbranche haben und den weiteren Verlauf erahnen lassen.
Die neue Serie „Nachhaltige Logistik“ im TIMOCOM Blog beschäftigt sich mit den Herausforderungen und Chancen nachhaltigen Handelns für Unternehmen aus Transport & Logistik. Sie klärt wichtige Begrifflichkeiten zum Thema, betrachtet die bisherige Entwicklung und wirft auch einen Blick auf das, was die Zukunft bereithalten kann.
Noch gehören „Wo befindet sich der LKW gerade?“ und „Kommt die Ware pünktlich?“ vermutlich mit zu den meistgestellten Fragen in der Transportkette. Gleichzeitig steigt auf Seiten der Kunden und Verbraucher der Wunsch nach Informationen, wie dem Ursprung verwendeter Rohstoffe, menschenwürdiger Produktion sowie umweltfreundlichen Transporten. Transparente Lieferketten beginnen demnach beispielsweise mit Auskünften zum nachhaltigen Anbau von Feldfrüchten, nicht mit dem Überblick über aktuelle Lagerbestände oder mit Versandbenachrichtigung.
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Um für ein Grundverständnis zu sorgen, startet die Serie mit der Erklärung der 5 wichtigsten Begriffe mit direktem Bezug zu Transport & Logistik sowie einem kurzen Abriss zur Entwicklung der Nachhaltigkeit.
Kein Buzzword-Bingo: 5 Nachhaltigkeits-Begriffe für Logistiker
Jede Entwicklung bringt neue Begriffe mit sich, so auch das große Themenfeld „nachhaltige Logistik“ oder auch „transparente Logistik“. Was ist der Unterschied zwischen Ökobilanz und ökologischem Fußabdruck, oder gibt es gar keinen? Bevor also ein Einstieg in das komplexe Thema gemacht werden kann, muss Klarheit über häufig verwendete Begrifflichkeiten bestehen. Das Internet hält eine Reihe Lexika bereit, die ausschließlich Fachbegriffe zum Thema Nachhaltigkeit enthalten. Die folgende Liste stellt einen Auszug dar; die Erläuterungen erscheinen nach einem Klick auf das Stichwort.
1. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit steht auf drei Säulen, die miteinander in permanenter Wechselwirkung stehen:
2. Supply Chain Transparency / Supply Chain Visibility
Vom Rohstoff bis zur Bereitstellung des Endprodukts beim Verbraucher berücksichtigt die „Transparenz der Wertschöpfungskette“ alle Schritte im Produktlebenszyklus. Transparenz ist hier ein wesentlicher Indikator für Nachhaltigkeit, denn hier ist die lückenlose Auskunft über die Rohstoffe, die Verarbeitungs- und Transportmethoden etc. entscheidend. Im Rahmen des 2023 in Kraft tretenden Lieferkettengesetzes wird dies für deutsche Unternehmen einer der wichtigsten Aspekte sein.
Der Begriff wird manchmal mit Supply Chain Transparency gleichgesetzt. Allerdings bedeutet Real-Time-Visibility übersetzt „Sichtbarkeit in Echtzeit (von Transporten oder Lagerbeständen usw.)“. Man kann sich Real-Time-Visibility im Sinne der Nachhaltigkeit zunutze machen und mit ihrer Hilfe ressourcenschonend arbeiten.
Die Energiewende sieht langfristig eine kohlenstofffreie Wirtschaft vor. Sprich, die Weltwirtschaft soll schrittweise ihre Verfahren so umstellen, dass immer weniger Treibhausgase, auch „Emissionen“ genannt, produziert und in die Erdatmosphäre geleitet werden. Ein wichtiger Punkt ist hier die Abkehr von der Nutzung fossiler Brennstoffe und der zunehmende Einsatz erneuerbarer Energien, z. B. Wind-, Solar-, oder Wasserkraft. Dekarbonisierung in der Logistik kann z. B. durch die Modernisierung des Fuhrparks mit Elektrofahrzeugen oder sparsamen Verbrennungsmotoren unterstützt werden sowie durch die Neubewertung bestehender Lieferketten.
Die Ökobilanz bezeichnet ein Verfahren, mit dem ursprünglich nur die Umweltfreundlichkeit von Produkten bewertet wurde. Hier fließen vor allem Daten aus der Produktion ein, z. B. wie viel Emissionen zur Verarbeitung eines Rohstoffes bis zum fertigen Produkt und dessen Auslieferung entstehen. Die Ökobilanz greift inzwischen auch die Daten aus Dienstleistungen sowie Verhaltensweisen auf.
Weitere relevante Begriffe zum Thema
Die (Wieder-) Entdeckung der Nachhaltigkeit
Naturvölker tun es seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte, zivilisierte und aufgeklärte Industriestaaten müssen es derzeit neu erlernen: das Leben und Wirtschaften im Einklang mit dem, was der Planet bietet.
Klicken und mehr erfahren: Die folgenden Meilensteine haben heute den größten Einfluss auf nachhaltiges Handeln.
– Die Geburt des Treibhauseffekts: Klimaforschung im 19. Jahrhundert
Der Begriff „Treibhauseffekt“ geht auf Untersuchungen zu Beginn des 19. Jahrhunderts zurück, bevor er sich im 20. Jahrhundert etablierte. Jean Baptiste Joseph Fourier und John Tyndall untersuchten den Effekt freigesetzter Emissionen auf das Erdklima. Sie verglichen die Reaktionen, die sie auf dem Planeten und in seiner Atmosphäre feststellten, mit denen der sogenannten „Kochkiste“, einem wärmedämmenden Gefäß.
– CLUB OF ROME: Industrieller initiiert Nachhaltigkeit
Wie bitte? Das war gar kein Klimaaktivist? Nein.
Aurelio Pecchei, ein Industrieller, spürte eine wachsende Sorge um die Menschheit. Gemeinsam mit dem Wissenschaftler Alexander King gründete er 1965 den CLUB OF ROME. Nur sieben Jahre später erschien in Zusammenarbeit mit MIT-Professoren das Buch „Die Grenzen des Wachstums“, das erstmals die Wechselwirkungen zwischen Menschen, Natur und Wirtschaft beschreibt. Der Verband besteht aus Experten aus 30 Ländern, die zum Thema „Zukunftsprobleme der Menschheit“ forschen, nach Lösungen suchen und diese evaluieren. Getreu dem Kredo „WISSEN, DENKEN, HANDELN“ ist die Organisation international tätig, unterstützt z. B. die Global Marshall Plan Initiative und unterhält ein Netzwerk von CLUB OF ROME Schulen.
– Agenda 21, Kyoto-Protokoll & Agenda 2030: Zukunft trifft Weltpolitik
– Pariser Abkommen: 1,5 Grad Celsius schreiben Geschichte
Auch als „COP 21“ bekannt, schafften es die Teilnehmer der internationalen Klimakonferenz im Dezember 2015, alle Staaten für den Klimaschutz in die Pflicht zu nehmen und die Energiewende endgültig einzuläuten. Das oberste Ziel des Abkommens ist die Begrenzung der Erderwärmung um 1,5 Grad Celsius, um die Folgen des Klimawandels zu stoppen. Diese Bezifferung wurde erstmals in einem völkerrechtlichen Vertrag festgelegt und ist somit weltweit bindend. Jeder einzelne Staat ist damit verpflichtet, ein eigenes Maßnahmenpaket zu schnüren und umzusetzen.
– Deutsches Lieferkettengesetz: Gesetz ersetzt Richtlinien
Der Deutsche Bundesrat verabschiedete am 25. Juni 2021 das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG). Es tritt Anfang 2023 in Kraft und macht nachhaltige Lieferketten zunächst für deutsche Unternehmen mit mehr als 3.000 Beschäftigen sowie ihre Zulieferer zur Pflicht. Unternehmen, die bereits auf freiwilliger Basis für Nachhaltigkeit eintreten und diese leben, sollen demnach besondere Unterstützung erfahren. Inhaltlich zielt das Gesetz darauf ab, bestehende Gefahren für Menschen und Umwelt festzustellen und zu beseitigen sowie Präventionsmaßnahmen zu etablieren.
– Klimapakt von Glasgow: Ende der Verbrennungsmotoren
Im Herbst 2021 hieß Glasgow die Vertreter aus fast 200 Ländern zur Klimakonferenz „COP26“ willkommen. Die Delegierten beurteilten die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen und beschlossen im „Klimapakt von Glasgow“ eine schnellere Abkehr von fossilen Brennstoffen. Darüber hinaus unterzeichneten über 100 Teilnehmer ein Abkommen, das ein Enddatum von Verbrennungsmotoren definiert. Deutschland unterschrieb es vorerst nicht mit Verweis auf eine abweichende Haltung zum Thema E-Fuels, also synthetischer Kraftstoffe. Ihre Verwendung schließen die Unterzeichner aus.
Nachhaltige Logistik – Es ist viel passiert. Noch mehr bleibt zu tun.
Jeder kennt sie, die Bilder der Ausbeutung von Menschen und Natur, von Umweltverschmutzung und -katastrophen, von Protesten und Klimagipfeln.
Nun geht es darum, sich mit dem zu befassen, was all diese Bilder bewirkt haben. Welche Ableitungen aus den Beschlüssen und Gesetzen sind für Transport- und Logistikunternehmen relevant? Welche Maßnahmen können Unternehmen, die im Rahmen des Lieferkettengesetzes als Zulieferer gelten, ergreifen?
Die kommenden Teile der Serie „Nachhaltige Logistik“ setzen Impulse zur Beantwortung genau dieser Fragen. Der Klimawandel möchte in die Welt transportiert werden – dies bedarf bester Logistik.
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